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Hotel-Projekte - "geplanter" Wildwuchs!

Nachstehend veröffentlichen wir eine vom 1. Vorsitzenden des FVV Westerland und Hotelinhaber Hayo Feikes verfasste Stellungnahme zu der aktuellen Hotel-Diskussion. Diese Stellungnahme ist im Wesentlichen in das Protestschreiben der auch vom FVV Westerland unterstützten "Initiative für Sylt" an den Kreis NF und die Landesplanung, Kiel, eingeflossen.



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Stellungnahme zum
Antrags- und Konzeptpapier „Perspektiven für die touristische Entwicklung auf der Insel Sylt bis 2010 im Bereich Hotelentwicklung" des Kreises Nordfriesland vom 13.4.2005:

Weil es nach Einschätzung des Kreises NF und den Referaten für Tourismus (Wirtschaftsministerium) sowie Ortsplanung (Innenministerium) speziell auf Sylt ein deutliches Defizit an höherklassigen Hotel-Angeboten (Hotel- und Ferienanlagen im gehobenen Bereich) gäbe, sei bei einem Gespräch mit der Landesplanung am 31.1.2005 in Kiel vereinbart worden, daß das o.a. Antrags- und Konzeptpapier als eine Entscheidungsgrundlage für einen inselweiten Abstimmungsprozess dienen soll, um eine „insgesamte Neuorientierung" der touristischen Infrastruktur gegenüber den Aussagen des Regionalplanes V (von 1998) zu ermöglichen und einer inzwischen veränderten Situation entsprechend anzupassen.

Die veränderte Ausgangslage sei durch die touristische Marktentwicklung der letzten Jahre entstanden, insbesondere hätte Sylt gegenüber Mecklenburg-Vorpommern (M.-V.) an Attraktivität eingebüßt: auf Sylt entfielen 80 % der Übernachtungen auf Ferien-Appartements und Privatzimmer, in M.-V. nur 20 %, dort also 80 % in größeren Betrieben mit außerdem größeren Bettenkapazitäten, welche somit „marktfähiger" durch Buchungen über Reiseveranstalter und Reisebüros seien. Zudem bestehe zunehmend Nachfrage nach Wellness-Kurzreisen (hohe Zuwächse!), für diese sei die Hotellerie die prädestinierte Beherbergungsform. Ein Abbau von über 5000 Betten seit 1997 und ein Rückgang von immer noch 0,8 Mio Übernachtungen seit 1993 seien der weitere Hintergrund für die Folgerungen und Ziele aus Sicht des Kreises NF:

Stärkung des touristischen Flaggschiffes Sylt (48 % der Ü der Nordseeküste von S.-H.!)
Qualitätsverbesserung der Hotelangebote
Erschließung neuer Zielgruppen (z.B. internationale Gäste, Familien, Senioren)
Quantitätserweiterung im Bereich Wellnesstourismus
Kein Massentourismus, aber qualitätssteigernde Maßnahmen und Vorhaben
Ersatz für die ehemaligen Kurzentren
Kompensation von Arbeitsplatzverlusten (Bundeswehr etc.)
Verbesserung der öffentlichen und touristischen Infrastruktur mit neuen Hotelprojekten
Weiterentwicklung des Sylt-Images im nationalen und internationalen Wettbewerb
Profilierung der Gemeinden auf Grundlage des Tourismusforums Sylt
In der Regel kein Überspringen der bisher ausgewiesenen Baugebietsgrenzen
Voraussetzung für die Kapazitätsausweitung sind Struktur- und Qualitätsverbesserung
Berücksichtigung der Ortsbilder, Pflege der alten Bausubstanz
Schaffung von Dauerwohnraum für Arbeitskräfte und Einheimische

Konsequenterweise fördere der Kreis NF daher im Rahmen seiner Möglichkeiten die Neuansiedlung hochwertiger Angebote im Hotel- und Tourismusbereich. So sei das Hotelvorhaben in List inzwischen genehmigt. Neue, große Hotelbetreiber brächten durch ihre Vertriebsformen „Ferienwohnrechte", „Reisebüros", „Kataloge" zusätzlich Gäste nach Sylt, die zu einem gewissen Prozentsatz dann auch in die Privatquartiere „abwanderten".

Es folgt eine Aufzählung der verschiedenen Hotelplanungen in List (Arosa-Resort, 360 Betten), Hörnum (Hapimag, 320 Betten, Golfhotel, 160 Betten), Rantum (Tui-Dorfhotel, 600 Betten), Wenningstedt-Braderup (KV-Neubau, 50 Einheiten = 100 Betten, Golfhotels (wieviele?), wahrscheinlich je 120 Betten), Keitum (4-Sterne-Hotel beim Schwimmbad, 50 Einheiten = 100 Betten, „Mülheim-Hotel„, 70 Einheiten = 140 Betten).

Nach der Einholung von Stellungnahmen und der Durchführung von Abstimmungsrunden sowie der Bewertung durch die Landesplanung, parallel dazu die Durchführung eines Beteiligungsverfahrens auf Ebene der beiden Ministerien, sei das Ziel, ein Ergebnis des Verfahrens im Juni 2005, noch vor der Sommerpause, vorzulegen.

Kernaussagen des „Konzeptpapiers":

Die Kernaussagen dieses „Konzeptpapiers", mit welchem ein Defizit an Hotel- und Ferienanlagen im gehobenen Bereich für Sylt nachgewiesen werden soll, sind also (Reihenfolge wurde geändert):

1. Rückgang um 5.251 Betten (hauptsächlich im Privatsektor) seit 1997
2. Rückgang um 0,8 Mio Übernachtungen seit 1993
3. Attraktivitätseinbuße gegenüber M.-V. wegen nicht genügend „marktfähiger" Betriebe
4. zunehmende Nachfrage nach Wellness-Kurzreisen in Hotels (Zuwachspotential)
5. Veränderung der touristischen Marktlage i.d. letzten Jahren (gemeint: seit 1998, Regionalplan V)

Zur Kernaussage 1: Rückgang um 5.251 Betten (hauptsächlich im Privatsektor) seit 1997

Seit dem Jahr 2001 gibt es auf Sylt keine verläßlichen inselweiten Statistiken über die Gästebetten. Aus den offiziellen Touristikstatistiken der Insel Sylt (nicht Statistisches Landesamt S.-H.!) ist folgende Entwicklung der Gästebettenanzahl von 1993 bis 2001 zu ersehen:
1993 43.570 Gästebetten
1994 44.774 Gästebetten
1995 46.650 Gästebetten
1996 48.423 Gästebetten
1997 49.428 Gästebetten
1998 49.318 Gästebetten
1999 51.459 Gästebetten
2000 50.465 Gästebetten
2001 50.095 Gästebetten
Ein Anstieg der Gästebetten innerhalb von 9 Jahren von immerhin 15 %. Geht man 10 Jahre in das Jahr 1983 mit insgesamt 39.113 Gästebetten zurück, so bedeutet das einen Zuwachs an Gästebetten seitdem um 28 %. Es ist in den letzten Jahrzehnten ein kontinuierlicher Bettenzuwachs zu verzeichnen, der nur scheinbar in den Jahren 2000 und 2001 zum Stillstand gekommen ist, der Augenschein und die Baugenehmigungen dieser beiden Jahre sprechen gegen eine solche Annahme. Jedenfalls ist von einem Bettenrückgang – erst recht in dem im Konzeptpapier aufgezeigten Ausmaß – nichts zu spüren. Grundlage der Bettenangaben des Konzeptpapiers waren die Aussagen der SMG (Sylt-Marketing GmbH) in deren Marketingplan. Diese distanziert sich inzwischen von ihrer getroffenen Aussage mit der Bemerkung (Zitat SMG): „Bitte berücksichtigen Sie, dass bei den Angaben im Marketingplan der SMG Betten der Zweitwohnungsbesitzer von Westerland, die ausschließlich der Eigennutzung vorbehalten werden, mit aufgeführt wurden. Westerland hat uns die Daten richtig übermittelt, sie wurden jedoch von uns nicht korrekt weiterverarbeitet. Im Jahr 1997 wurden im Marketingplan irrtümlicherweise auch die Betten der Zweitwohnungsbesitzer von Sylt-Ost mit aufgeführt."

Zur Kernaussage 2: Rückgang um 0,8 Mio Übernachtungen seit 1993

Das im Konzeptpapier gezeigte Säulendiagramm der dargestellten Übernachtungen läßt sich in den offiziellen Fremdenverkehrsberichten bzw. Touristik-Statistiken der Insel Sylt so nicht wiederfinden. Nur in den Jahren 1992 bis 1995 stimmen sie mit den Gesamtzahlen aller Übernachtungen inkl. Jugendlicher, Kinder und Camper überein. Außerdem beginnen die Zahlen mit dem höchsten Stand während der „Boomjahre nach der Wende in der DDR". Daher sollte ein Vergleich mit Zahlen vor der „Wende" beginnen:

Übernachtungen auf ganz Sylt gesamt inkl. Jugendlicher, Kinder +Camper
lt. Touristik- Statistik Bädergemeinschaft / Tourismus-Service-Westerland:

1989 4.913.962
1990 5.428.732
1991 6.020.503
1992 6.374.161
1993 6.503.678
1994 6.162.688
1995 6.288.956
1996 6.019.709
1997 5.910.164
1998 5.964.927
1999 5.858.374
2000 6.010.853
2001 k.A.
2002 k.A.
2003 k.A.

Übernachtungen auf ganz Sylt gesamt inkl. Jugendlicher, Kinder +Camper
lt. Angaben Kreis Nordfriesland vom 13.4.2005:

1989 ---
1990 ---
1991 ---
1992 6.400.000
1993 6.500.000
1994 6.200.000
1995 6.300.000
1996 5.800.000
1997 5.700.000
1998 5.900.000
1999 5.400.000
2000 5.450.000
2001 5.380.000
2002 5.500.000
2003 5.680.000


Durch den „Wende-Faktor" wurden die Übernachtungen auf Sylt in der Zeit von 1989 (4,9 Mio. Übernachtungen) um 32,4 % bis zum Spitzenjahr 1993 (6,5 Mio. Übernachtungen) gesteigert, innerhalb von vier Jahren also um 1,6 Mio. Übernachtungen ! Der Einbruch im Jahr 1994 konnte im witterungsmäßig guten Sommer 1995 wieder etwas aufgeholt werden, schon in der Folge der nächsten Jahre machte sich jedoch der durch Förderungsmaßnahmen ohne Beispiel (sofortige Abschreibungsmöglichkeiten 50 %) in Gang gesetzte Ausbau der mecklenburgischen Ostseeküste mit seinen traditionellen Bädern auf Sylt bemerkbar.

Allerdings ist ab dem Jahr 1996 eine Diskrepanz in den offziellen Statistiken des Tourismus-Service-Westerland (TSW) für ganz Sylt und den Zahlen, welche der Kreis NF vorlegt, zu konstatieren. So differieren die Übernachtungszahlen des Kreises in den Jahren 1996 und 1997 um jeweils 200.000 nach unten, im Jahr 1998 gleichen sie sich etwas an und liegen nur noch um 65.000 darunter, um dann in den Jahren 1999 um 450.000 und im Jahr 2000 um 550.000 unter die offiziell genannten Zahlen zu sinken. Obwohl in den Jahren 2001 bis 2003 keine offiziellen Übernachtungs-Angaben für Gesamt-Sylt „von Sylt gefertigt" vorliegen, gibt es Angaben des Kreises NF mit zuletzt ca. 5.680.000 Übernachtungen im Jahr 2003. Wenn die nur für das Jahr 2000 ermittelte Differenz von 550.000 Übernachtungen zu dieser Anzahl addiert wird, läge Sylt bei wahrscheinlichen 6.230.000 Übernachtungen.

Ein großer Anteil Westberliner Sylt-Gäste entdeckte zunehmend mit dem Erstellen von neuen touristischen Infrastrukturen „im Osten" nicht nur ihr direktes Umfeld, sondern besonders auch den kürzeren Weg an die Küste von M.-V. in die traditionell von Berlinern aufgesuchten alten „neuen„ Kaiserbäder. Anhand des Vergleichs der Übernachtungsgäste in Westerland nach Herkunftsländern in den Jahren 1989 (vor der Wende), 1993 (Boomjahr nach der Wende) und 2004 läßt sich dieser Effekt sehr gut nachvollziehen:

Anzahl der Übernachtungsgäste in % der Gesamtgästezahl in Westerland:

jweils in den Jahren 1989 / 1993 / 2004
NRW 26,6 %/ 27,5 % /29,6 %
Niedersachsen 17,5 % /17,7 %/ 18,6 %
Hamburg 11,0 %/ 7,9 % /8,1 % (2003 = 8,25 %)
Schleswig-H. 10,2 % /9,3 %/ 11,1 %
Hessen 8,1 % /8,5 %/ 8,2 %
Berlin 8,0 % /7,6 %/ 4,9 % (2003 = 5,27 %)
Baden-Würt. 6,1 %/ 6,7 %/ 6,0 %
Bayern 5,2 %/ 5,9 %/ 5,0 %
Rheinl.-Pfalz 3,9 %/ 3,8 % /3,7 %
Bremen 1,4 % /1,2 % /1,3 %
Saarland 0,6 % /0,5 %/ 0,5 %
Neue Länder ohne Berlin 0,2 %/ 2,2 %/ 2,1 %
Ausland 1,2 %/ 1,1 %/ 1,2 %
Gesamt 100 %/ 99,9 % /100,3 % (Rund.diff.)

Vermindert man die Berliner Zahlen um einen Mindestanteil von 0,5 % Ostberliner Gästen (1989 noch nicht dabei!) auf somit statt 4,9 % dann 4,4 % im Jahr 2004, so bedeutet das hochgerechnet einen Verlust nur an Berliner Gästen um 3,6 % der Gesamtgäste mit, übertragen auf ganz Sylt, mindestens 250.000 Übernachtungen, da die Berliner wegen des langen Anfahrtweges auch immer längerfristig buchten.
Durch den besseren Ausbau der Verkehrswege (neue Autobahn!) in die neuen Ostseebäder, macht sich auch ein Rückgang der Hamburger Gäste bemerkbar, deren Anteil kontiuierlich von 11,0 % (1989) auf 8,1 % (2004) schmolz. Diese 2,9 % Rückgang sind, wegen der Nähe und damit kürzeren Aufenthaltsdauer, für ganz Sylt auf wahrscheinlich 150.000 Übernachtungen einzuschätzen.
Es ist jedoch ebenfalls davon auszugehen, daß auch Gäste aus allen anderen „alten" Bundesländern die neuen Bäder an M.-V. Ostseeküste entdeckt haben und ein großer Teil dorthin „abwanderte", weil die touristische Wiederherstellung der alten Bäder einen attraktiven Anreiz auf sie ausübt. Jedenfalls kann davon ausgegangen werden, daß wesentlich mehr Westdeutsche diese neuen Bäder besuchen, als umgekehrt aus den neuen Ländern M.-V., Brandenburg, S.-A., Sachsen und Thüringen, mit insgesamt ca. 2,1 % Gästeaufkommen und schätzungsweise nur 125.000 Übernachtungen, nach Sylt kommen.
Allein diese Differenz dürfte mit mindestens 400.000 Übernachtungen zu Buche schlagen und könnte nur „behoben" werden, wenn es gelänge, den Gästeanteil aus den neuen Bundesländern entsprechend zu steigern. NRW hat den gleichen Bevölkerungsanteil wie alle neuen Bundesländer zusammen. Aus NRW kommen aber nicht 2,1 % von Sylts Gästen, sondern 29,6 %, also die 14fache Anzahl!! (Niemand wird jedoch behaupten können, die Sylter Quartiere wären nicht gut genug für Gäste aus den neuen Bundesländern. Wir haben hier also ein Marketingproblem und kein Problem fehlender hochwertiger Betten!!).

Übernachtungsbilanz somit:

Weniger Berliner aufgrund Neuorientierung M.-V. ./. 250.000 Übernachtungen
Weniger Hamburger aufgrund Neuorientierung M.-V. ./. 150.000 Übernachtungen
Weniger and. Bundesländ. we Neuorientierung M.-V. ./. 525.000 Übernachtungen
Zuzüglich neue Bundesländer + 125.000 Übernachtungen
----------------------------------------------------------
Gesamtunterbilanz ./. 800.000 Übernachtungen
=============================

Das hieße, nur aufgrund einer geographischen Neueinbindung der Ostseeküste von M.-V. (direktes Umfeld, schnellere Verkehrswege u.ä.) gehen Sylt 800.000 Übernachtungen verloren. Ohne diesen Effekt sähe die Anzahl der Übernachtungen auf Sylt folgendermaßen aus:

Feststellung Kreis NF für 2003: 5.680.000 Übernachtungen
Festgestellte Diffenzen (siehe oben): 550.000 Übernachtungen
-------------------------------------------------------------------------------------
Wahrscheinliche Gesamt-Übernachtungen: 6.230.000 Übernachtungen
Verlust durch geographische Konstellation: 800.000 Übernachtungen
--------------------------------------------------------------------------------------
Sylts Potential mit den jetzigen Betten: 7.030.000 Übernachtungen
===========================================

Allein die geographische Neukonstellation hat bewirkt, daß Sylt in 2003 keine 7,0 Mio. Übernachtungen sondern 6,2 Mio. Übernachtungen erzielte. Trotz des durch allein geographischer Neuorientierung bedingten Fehlens von 0,8 Mio. Übernachtungen hat Sylt dieses hervorragende Ergebnis gebracht und dadurch – nach Bereinigung und unter differenzierter Bewertung dieses Verlustes - gegenüber den Übernachtungszahlen des Boomjahres 1993 mithin einen kalkulatorischen Zuwachs von ca. 8 % erzielt. Vergleicht man zudem die jährlichen Gästezahlen auf Sylt, so sind diese seit 1993 immer stetig gestiegen, sicherlich mit, wohl auch aus konjunkturell bedingten Gründen, zunehmend geringerer Aufenthaltsdauer, welche inzwischen, zum Leidwesen der Hotellerie, auch die Appartement- und Privatvermieter akzeptieren.

Zur Kernaussage 3: Attraktivitätseinbuße gegenüber Mecklenburg-Vorpommern wegen nicht genügend „marktfähiger" Betriebe

Investitionen des gesamten Beherbergungsbereichs in den letzten 10 Jahren


Das o.e. positive Übernachtungs-Ergebnis zeigt die erfolgreiche Marktfähigkeit Sylts und besonders der Sylter Beherbergungswirtschaft auf. Sie ist nur darauf zurückzuführen, daß die Beherbergungsbetriebe, die Appartements und auch die Privatzimmer ständig auf neuestem Stand gehalten wurden und fortlaufend investiert haben: die Sylter überwiegend privatgeführte Hotellerie hat in den letzten 10 Jahren mehr als 100 Mio. Euro in Erneuerungen und Erweiterungen investiert (Befragung durch DEHOGA Sylt !). Im „Neuen Kurzentrum Westerland" wurde entsprechend den Anforderungen der neuen Trinkwasserverordnung die gesamte Sanitärinstallation erneuert und es wurden in dem Zuge auch alle Bäder und Appartements saniert und renoviert. Bei 500 Appartements war das eine Investition von 15 Mio €, hochgerechnet auf ca. 10.000 sanierte App.-Einheiten für ganz Sylt wäre das ein Volumen von 300 Mio. €. Insgesamt ist also anzunehmen, daß somit in den Sylter Beherbergungsbereich mit einer unglaublichen Kraftanstrengung ein Erneuerungsvolumen von ca. 400 Mio € während der letzten 10 Jahre geflossen ist.

Dies zeigt, daß man auf Sylt sehr wohl in der Lage ist, sich, mit vollem eigenen Risiko, auf die neuen Erfordernisse des Marktes einzustellen. Gerade auch der Wellness-Bereich ist hervorragend ausgebaut und in die bestehenden Betriebe integriert worden. Einige neugebaute Hotels wie das Fährhaus Munkmarsch, der Söl´ring Hof oder das Landhaus Stricker sind ohnehin gleich mit einer Wellness-Anlage ausgestattet worden.

Entwicklung der Beherbergungsstrukturen auf Sylt

Auf Sylt überwiegt eine kleinteilige Beherbergungsstruktur. Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung wurde 1855 zuerst der Ort Westerland für den Fremdenverkehr entdeckt. Boomartig wuchsen mehrere Hotels, Logierhäuser, Pensionen, Restaurationshallen und Ladengeschäfte empor, bis der erste Weltkrieg dem ein jähes Ende verschaffte. Mit dem Hindenburgdamm sollte sich alles zum Besseren wenden, aber die Weltwirtschaftskrise machte einen Strich durch diese Rechnung. Pauschalreisen à la KDF prägten in den 30er Jahren das Gästebild, während des Krieges war Sylt Sperrgebiet und nach dem Krieg übervölkert durch hinzugezogene Flüchtlinge aus dem Osten. Zwischen dem ersten Weltkrieg und Anfang der sechziger Jahre, also ganze 50 Jahre lang, gab es keinen einzigen Hotelneubau auf der Insel. Bei den gewerblichen Vermietern herrschte im Prinzip Not und Elend. Trotz Forderungen des FVV Westerland im Jahr 1952 nach einem Inselhilfsprogramm (Beihilfen und Freistellung vom Lastenausgleich pp.) für das brachliegende Gewerbe, welches ihre alten Häuser nun auf den neuen Stand bringen wollte, wurde umgekehrt das Gewerbe mit Kreditgewinnabgaben, Lastenausgleich, Getränkesteuern und damit konfrontiert, daß das Beherbergungs-Kleingewerbe öffentliche Mittel erhielt und mit den hinzugebauten Gästebetten dem regulären Beherbergungsgewerbe Konkurrenz machen konnte. Die Folge war eine Bettenauslastung in Westerland im gewerblichen Bereich bis Anfang der Sechziger Jahre von nur 50 – 60 Tagen, mithin 14 %.bis 16 %. (Quelle: Denkschrift 1952 , zu finden unter http://www.fvv-westerland.de )

Hinzu kam, daß die Westdeutschen inzwischen das Reisen entdeckten und wesentlich besseren Komfort an Italiens und Spaniens Küsten vorfanden. Eine Lösung in dieser Misere war der aufkommende Bau von Eigentumswohnungen bzw. Appartementbauten. Plötzlich waren Käufer für die maroden Logierhausgrundstücke da, manches Hotel konnte sich aufgrund der neuen Möglichkeiten durch Teilverkauf wieder regenerieren. Mit z.B. dem Bau des „Neuen Kurzentrums" von 1965 bis 1969 wurde eine Umstrukturierung der ganzen Insel eingeleitet (kurz unterbrochen durch die Bürgerinitiative gegen das 100 m hohe „Atlantis") die bis heute Bestand hat:
Appartementbauten und Ferienwohnungen dominieren und vereinnahmen aufgrund ihrer günstigen Preisstruktur vor allem die längerfristig buchenden Gäste. Den Hotels verbleibt aufgrund der Wettbewerbssituation durch die Appartementvermietungen im Wesentlichen nur die Nische der Kurz- und Wochenendreisen, so daß sie eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von nur ca. 5,3 Tagen aufweisen. (Appartements erzielen durchschnittlich 10,2 Tage Aufenthaltsdauer pro Gast)

Nur einer „Nischen"-Funktion, nämlich Kurzreise-Gäste aufzunehmen und Dienstleistungen für den Gast vorzuhalten, verdanken also die Hotels auf Sylt ihr Bestehen in dem wesentlich preiswerter vermietenden Appartement-Umfeld. Reelle Kostenpreise konnten sie in diesem Wettbewerbsumfeld bisher nicht erzielen, manches Sylter Hotel ist daher auch heute an die Grenzen seiner Wirtschaftlichkeit gestoßen und könnte nicht bestehen, wenn nicht die Inhaberfamilie selbst mittätig wäre. Umsomehr wird Sylts bestehende Hotellerie verprellt, wenn nun, zum Teil auf gemeindlichem Grund und Boden, sehr große Hotels durch Großinvestoren errichtet werden sollen, welche durch Fördermittel bezuschußt und zumindest beim Grundstückspreis indirekt „subventioniert" werden.

Wettbewerbsverzerrung durch das Hotel-Projekt in List

In List war nun 2001 ein Hotel mit „nur" 200 Betten und 8.000 qm Nutzfläche plus 3.000 qm Wellnessfläche geplant. Zwei Jahre später schon wird daraus ein doppelt so großes Projekt, welches sich nun nur in neuer Größenordnung (an Bruttogeschoßflächen – BGF - größer als Sylts größtes und höchstes Appartementgebäude Haus „Metropol", Westerland, mit seinen 26.880 qm BGF) wirtschaftlich „rechnen" soll (Zitat Bürgermeister Joachim Schweitzer, List, vom 20.9.2003 – SR -: „Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Hauses lässt sich eben erst ab einer gewissen Größe herstellen"):

Das 34.500 qm Grundstück an die Deutsche Immobilien AG (wie der Hotelbetreiber Arkona AG eine Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe Deutschen Seereederei GmbH, deren 100 %iger Kapitaleigner wiederum AR-Vorsitzender Horst Rahe ist) mit einem Kaufpreis von nur 4,3 Mio € und einem Landes-Zuschuß von 6 Mio € für das Projekt, bedeuten, daß nur die Gebäudekosten den Investor belasten werden: nur 40 Mio € Baukosten für ein 28.800 qm Bruttogeschoßflächen Hotel mit 360 Betten, Wellnessfläche 4.100 qm und Personalwohnungen für 160 Arbeitnehmer ergeben Erstellungskosten von nur 1.389 € pro qm Bruttogeschoßfläche. Trotzdem konnten bisher 4 Mio. € der Gebäudekosten nicht finanziert werden, weil offensichtlich auch trotz der Subventionen die Rentabilität nicht gegeben ist. Wenn dieses Hotel nun jedoch, wie geplant, gebaut werden sollte und damit nur die Gebäudekosten refinanziert werden müssen, kann das Hotel somit auch wesentlich günstigere Übernachtungspreise anbieten. Dies ist eine klare Wettbewerbsverzerrung gegenüber den herkömmlich finanzierten Hotels und Beherbergungsbetrieben, ja im Prinzip sogar sogar gegenüber allen anderen Vermietern auf der Insel, welche ihr Grundstück nicht „geschenkt" bekommen. Üblich ist auf Sylt bisher ein 50 %iger Anteil der Grundstückskosten an den Gesamterstellungskosten einer Bauanlage. (Zum Vergleich: ein Haus mit 120 qm qm Bruttogeschoßfläche x 1.389 € = 166.680 € Gesamtkosten bekommt ein Sylter nur auf dem Festland und muß dann nach z.B. Klanxbüll ziehen)


Wettbewerbsverzerrung durch das Hotelprojekt in Rantum

Und waren nun 2000 in Rantum noch 140 Betten als „Thermalhotel" geplant, so wurde daraus bereits ein Jahr später im Dezember 2001 ein Objekt mit 250 Betten und 20.000 qm Nutzfläche. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat sich das Projekt wiederum verdoppelt und ist als „Dorfhotel" gar bei 600 Betten angelangt. Immerhin gäbe es jetzt statt 120 Einheiten nur 30 Einheiten mehr, nämlich nunmehr 150 Einheiten, wegen der „Innovation" eines „familienfreundlichen Hotels" hätte jede Einheit nun allerdings statt vorher zwei Betten jetzt vier Betten plus einer „Kitchenette". Der Investor und sein Betreiber TUI sind mit dieser Einschränkung nicht zufrieden und bestehen bisher aus „Wirtschaftlichkeitsgründen" auf 180 bis 200 Einheiten, mithin bis zu 800 Betten.

Kosten soll das Projekt gar nur 20 Mio. €. Wenn davon ausgegangen werden kann, daß das Objekt mindestens die 20.000 qm Nutzfläche des 2001 geplanten Hauses benötigt, dann liegen die Erstellungskosten hier lediglich bei 1.000 € pro qm Nutzfläche. (Zum Vergleich: ein Haus mit 120 qm Nutzfläche würde dann sogar nur 120.000 € kosten.).

Dass auch dieses Hotel dann „günstige Übernachtungspreise" anbieten kann, liegt auf der Hand, zumal es sich auch vorgenommen hat, mit nur 70 Mitarbeitern auszukommen, einer Mitarbeiterzahl, die in einem familiengeführten 4-Sterne/150-Betten-Hotel üblich ist. Der für die Investition erforderliche Übernachtungspreis läge bei 100 € pro Einheit (Faustformel für Hotels: 1/1000 des Erstellungspreises (pro Einheit gerechnet) = durchschnittl. Zimmerpreis bei einer mind. 60%igen Auslastung!).

Im Übrigen ist das Risiko des Investors durch die Anordnung der Hotelanlage in 15 Einzelhäuser, in denen die Wohneinheiten mit kleinen Küchen oder Kochnischen ausgestattet sind, durch eine sogenannte „Drittverwendungsfähigkeit" - eine heutige Forderung von finanzierenden Banken – sehr stark abgemildert. Es ist daher wahrscheinlich, daß gerade diese Anordnung der Bebauung die unabdingbare Voraussetzung der Investor-Entscheidung ist, damit nämlich im Falle der Unwirtschaftlichkeit die Möglichkeit besteht, statt lohnintensiver Hotellerie eine kostensparende Appartementvermietung einzurichten oder diese Häuser gleich an Einzelinteressenten zu veräußern.

„Aus" für bestehende Hotels

Wenn nunmehr über kurz oder lang – und die Intentionen des Konzeptpapiers sprechen eine eindeutige Sprache – die Hotelbettenkapazitäten auf Sylt um ca. 50 % anwachsen sollten, dann wird es keine Zuwächse im Hotel-Übernachtungsbereich sondern das Aus für einige Hotels bedeuten. Der Kuchen kann nur einmal verteilt werden und die Sylter Gästezahlen sind bisher nur „konstant" gewachsen. Auch die etwaigen Kreditwünsche der bestehenden Hotellerie für Verbesserungen und Ausbauten, um gegen die entstandene Konkurrenz bestehen zu können, wird von den finanzierenden Banken wohl aufgrund der prekären Wettbewerbssituation, aber auch im Hinblick auf die Ratinganforderungen nach „Basel II", abgewiesen werden müssen. Eine kleinteilige, individuelle und privatgeführte Hotellerie mit dem Prädikat „Inhaber geführt", die keinen eigenen Zugang zu den Kapitalmärkten hat, hat dann das Nachsehen.

Belastbarkeit der Insel Sylt

Es scheint also so, daß der Kreis und das Land nunmehr mit Brachialgewalt das „Flaggschiff Sylt" benutzen wollen, um mehr aus ihm herauszupressen. Vergessen wird dabei, daß damit in jeder Hinsicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Auch die Grenzen der Bebauung wurden schon im Inselgutachten des Landesplanungsamtes von 1973/74 aufgezeigt. Die Belastbarkeit der Insel wurde bereits damals mit 100.000 Menschen festgestellt. Die Gäste selbst empfanden sich bei einer Befragung in ihrer Vielzahl und dem von ihnen verursachten Verkehr als eine Belastung. (Quelle: „Gutachten zur Struktur und Entwicklung der Insel Sylt", Innenministerium S.-H. Vom 8.7.1974). Seit 1974 sind jedoch viele Bauten und damit Betten hinzugekommen. Wenn die Insel Sylt sich jetzt nicht restriktiv in ihrer weiteren Bebauung verhält, dann werden die Erholung suchenden ganzjährig kommenden Gäste (u.a. die ferienungebundenen „Senioren") ausbleiben, die Insel „kippt"! Was der Insel bleibt ist Massen- und Vergnügungstourismus à la Mallorca in den Sommermonaten.

Positives Sylt-Image durch hervorragende Gastronomie

Aufgrund seiner Vermietstrukturen hat sich auf Sylt eine geradezu einmalige Gastronomie-Szene entwickeln können. Appartement- und Ferienwohnungsgäste versorgen sich nicht immer nur in der gemieteten Wohnung, Hotels garnis, Frühstückspensionen und Privatvermieter können existieren, weil ihre Gäste auswärts gut essen können. Die Insel Sylt ist ein Synonym für Genuß geworden. Es gibt über 300, teils sehr hochwertiger Restaurantbetriebe, welche das Sylt-Image positiv prägen. Das hat Sylt nicht Reiseveranstaltern und Reisebüros zu verdanken, sondern ist ein Ergebnis der Vielzahl der Individualreisenden.

Weltweite Vertriebsstrukturen

Trotzdem hat sich die Insel auch modernen Vertriebsformen geöffnet, wie sie inzwischen z. B. im Internet möglich sind. Die Marke www.sylt.de offeriert z.Zt. drei Buchungsplattformen für Anfragen und Onlinebuchungen: außer der eigenen auch http://www.syltbuchen.de (für Appartements) und http://www.syltbuchen24.de . Mit einem Buchungsanteil von ca. 3 – 5 % und somit mindestens 20.000 der Übernachtungen p.a. werden über internationale GDS (Global Distribution Systems) -Reisebüroreservierungssysteme (wie z.B. Galileo, Sabre, Amadeus und Worldspan) und Internet-Reservierungssystemen wie http://www.hrs.de , http://www.Hotel.de , http://www.TUI.de , http://www.Tiscover.de und http://www.Expedia.de viele Sylter Hotels und Hotels garnis, aber auch Appartementhäuser, weltweit gebucht und einige Sylter Hotels sind in Hotelketten (Lindner Hotel Windrose; Dorint-Hotel und Sölring Hof) oder in Hotelkooperationen (z.B. Relais & Chataux Hotel Stadt Hamburg, Ringhotel Seilerhof, TOP CCL Hotel Roth) und jeweils auch in deren Reservierungssysteme eingebunden. Man findet Sylter Hotels im TUI-Katalog und im DER-Tours-Katalog (letzterer allein 600.000 Kataloge bundesweit!). Dass man sie dort nicht alle findet, hat einen einfachen Grund: einige Hotels wollen oder können es sich bei den niedrigen Hotelübernachtungs-Preisen nicht leisten, eine Marge von bis zu 25 % auf ihre Listenpreise hinzunehmen sowie sogar für die Sommermonate geforderte „Kontingente" abzugeben, die bei Nichtbedarf nur kurzfristig zurückgegeben werden. Neubelegungen sind dann zu den Listenpreisen so kurzfristig nicht mehr möglich, es wird sich dann ein „Last-Minute-Markt" bilden, welcher das Gesamtpreisgefüge noch mehr nach unten belasten muß. Und – je mehr Häuser sich dieser Vetriebsform „Kataloge" öffnen würden – je größer werden die Abhängigkeiten von großen Reiseveranstaltern, welche die Tourismusströme ganz schnell auch in andere Reiseregionen lenken können oder aber sogar die Preise diktieren wollen!

Vermietstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern

Ganz anders sehen die Vermietstrukturen in M.-V. aus. In der DDR überwogen Erholungsheime des FDGB, welche mehr als „Vermietkasernen" anzusehen waren. Die alten Hotels, Logierhäuser und Pensionen aus der Gründerzeit vor dem ersten Weltkrieg waren noch in inzwischen marodem Zustand vorhanden und wurden überwiegend von Dauermietern – die Familien stammten großenteils aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten – bewohnt. Nach der Wende wurden diese Dauermieter ausquartiert und die Häuser nach Rückübereignung mit Fördermitteln des Staates (z.B. 50 % AfA, aber auch durch Direktzuschüsse) total saniert, und zwar nach dem neuesten Stand. Ein Beherbergungs-Kleingewerbe, wie auf Sylt, konnte so in dem Maße nicht entstehen, zumal den eigentlichen „Ostbewohnern" auch schlichtweg die Geldmittel fehlten. Nur mittlere und größere Investoren, auch als Immobilienfonds mit teilweise sogar Private-Equity-Kapital, konnten sich sehr schnell auf diese Situation einstellen, durch welche dann der Bauboom an der Ostseeküste von M.-V. entstehen konnte. Anders also als auf Sylt, wo man noch 1952 vergeblich ein „Inselhilfsprogramm" gefordert hatte, wurde in M.-V. sofort nach der Wende das Fördermittel-Füllhorn ausgeschüttet (welches im Übrigen auch noch durch die jährlich auf Sylt eingezogenen und erwirtschafteten 2,5 Mio. € Solidaritätszuschlag für den Osten aufgefüllt wird). Zudem wird ein wesentlicher Faktor zumeist vergessen: Das Lohnniveau liegt in M.-V. ca. 30 % unter dem Lohnniveau von S.-H., an Sylter Verhältnissen gemessen sicherlich um 40 % niedriger. Bei ca. 40 % Lohnkostenanteil in der gehobenen Hotellerie bedeuten 40 % Ersparnis, daß das im Komfort vergleichbare Haus in M.-V. um 16 % günstigere Kosten hat und allein aufgrund dieses Faktors mithin, hochgerechnet um die niedrigeren Lohnfaktoren auch der Zulieferanten bzw. Dienstleister, um mindestens 10 - 15 % günstigere Preise anbieten kann.

So konnte zwischen 1992 und 2003 ein Zuwachs um 1.653 Berbergungsstätten mit weiteren 104.410 Betten entstehen, welche mit 15.481.237 Mehrübernachtungen gegenüber 1992 allerdings nur eine Auslastung von 148 Tagen oder 40,6 % p.a. einfahren. (Quelle: Statistisches Landesamt M.-V., Wahlen 2004, Strukturdaten Tourismus):

1992 975 Betriebe 59.872 Gästebetten 6.658.840 G.-Übernachtungen
1994 1.280 Betriebe 75.370 Gästebetten 8.664.001 G.-Übernachtungen
1998 2.059 Betriebe 127.175 Gästebetten 13.279.576 G.-Übernachtungen
2001 2.615 Betriebe 160.961 Gästebetten 19.759.712 G.-Übernachtungen
2003 2.628 Betriebe 164.282 Gästebetten 22.140.077 G.-Übernachtungen

Die durchschnittliche Größe dieser neuen Betriebe beträgt mithin 63 Betten. Eine Rentabilität ist in diesen Größenordnungen erst bei 60 % Belegung gegeben. Es wird ganz sicher daher in M.-V. zu Zusammenbrüchen kommen müssen, zumal der Effekt des Verlustvortrages der Sonderabschreibungen irgendwann aufgebraucht sein wird. Einzig das o.e. zugelassene niedrigere Lohnniveau wird dieses noch etwas hinauszögern. Durchschnittlich liegen die heutigen Hotelübernachtungspreise z.B. auf Rügen sogar bis zu ca. 40 % unter denen vergleichbarer Sylter Betriebe und deuten damit auf einen dortigen ruinösen Wettbewerb hin. Und auch in M.-V. werden mit wachsendem Wohlstand außerdem zunehmend weitere private Appartements und Ferienwohnungen/häuser dem gewerblichen Berbergungsbereich Marktanteile wieder abnehmen.


Verstärktes Marketing in Mecklenburg-Vorpommern

Nur durch ein verstärktes Marketing wird man in M.-V. die bisherigen – ungenügenden – Auslastungen halten können. (Quelle: TOP Berlin, Nov. 2003: Interview des Wirtschaftsministers von M.-V., Dr. Otto Ebnet, Zitat: „Die Landesregierung wird die Gelder für die Marketingkampagne „MV tut gut" für die nächsten Jahre erheblich aufstocken. Es handelt sich dabei um Mittel aus dem europäischen Sozialfonds und dem Etat des Wirtschaftsministeriums). Dieses Marketing wird sich überwiegend an potentielle Gäste aus den alten Bundesländern richten müssen, da nur diese bisher überwiegend in der Lage sind, die Kostenpreise auch zu zahlen. (Interessanterweise möchte Herr Dr. Ebnet M.-V. als „Florida des Nordens" im Hinblick auf Erholungs- und Wellness-„Tourismus" vor allem für das ganzjährig reisende 60plus-Publikum propagieren.)
Das 5-Sterne- „Cliff-Hotel" auf Rügen (Übernachtungspreis für 2 Pers. in einem DZ ab 108 € inkl. Frühst. und Wellness) wirbt z.B. mit dem Slogan „Warum immer nur Sylt?" und zielt damit sogar bewußt auf Sylts Gäste-Klientel ab!

Wenn daher nicht entsprechend verstärkt Marketing für Sylt eingeleitet wird, werden somit noch weitere Gäste aus den alten Bundesländern abgezogen werden. (Wie gesagt: der Kuchen kann nur einmal verteilt werden !).

Behauptung Sylts im Wettbewerb mit Mecklenburg-Vorpommerns Ostseeküste

Sylts bisherige großartige Leistung im Behaupten seiner herausragenden Stellung als „Flaggschiff im Sturm" wird ebenfalls deutlich, wenn man die Übernachtungszahlen der Nordseeküste mit der Ostseeküste von S.-H. in den letzten Jahren vergleicht. (Quelle: Stat. Amt für Hamburg und S.-H.). Während die Ostseeküste in S.-H. sinkende Übernachtungszahlen in den letzten Jahren aufweist (wahrscheinlich wegen der Nähe und Vergleichbarkeit mit M.-V.) hat die Nordseeküste wieder steigende Übernachtungszahlen aufzuweisen. (Vieles spricht dafür, daß der beschworene „Nachholbedarf" an der Ostseeküste von S.-H. erforderlich ist, nicht aber auf Sylt!!)

Das Statistische Landesamt S.-H. hat für das witterungsmäßig schlechte Sommerhalbjahr 2004 (in Betrieben mit mindestens 9 Betten) für Sylt 2.203.192 Übernachtungen erfasst, unwesentlich weniger als die 2.237.066 Übernachtungen des „Jahrhundertsommer"-Halbjahres 2003 ! Somit also ein „stabiles" Ergebnis für Sylt, vor allem wenn man bedenkt, daß die Ostseeküste in M.-V. in 2004 einen Rückgang von 5,2 % gegenüber dem Vorjahr hinnehmen mußte (Quelle: Tourismusbarometer S.-H.)

Sylts Übernachtungszahl ist auch deshalb stabiler, weil in solch einer kleinteiligeren Beherbergungsstruktur der persönliche Kontakt zu einem ca. 73 % -igen Stammpublikum besser möglich ist.

Schleswig-Holstein de facto Marktführer im Küstentourismus

Im Übrigen hat der Tourismusverband S.-H. in seinem Rundschreiben 2/2005 festgestellt, daß de facto nicht M.-V., sondern S.-H. Übernachtungs-Marktführer im Küstentourismus sei. Zwar liege M.-V. bei den gewerblichen Betrieben noch minimal vorn (21,4 Mio zu 19,9 Mio), bei Campern (10,4 Mio zu 15,5 Mio), Privatvermietern ( 4,2 Mio zu 12,7 Mio), Verwandten/Bekanntenbesuche (6,9 Mio zu 21,4 Mio) und Freizeitwohnsitzen (2,1 Mio zu 5,9 Mio) liege S.-H. jedoch unangefochten vorn, so daß die Bilanz nur 45 Mio Übernachtungen für M.-V., aber 75,4 Mio Übernachtungen für S.-H. hergibt.
Die von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR, Kiel) aufgestellte Reiseanalyse zeigte bereits 2001 auf, das S.-H. in der Beliebtheitsskala der Inlandsreisen auf Platz 2 nach Bayern liegt und M.-V. nur auf Platz 4.

Zur Kernaussage 4: zunehmende Nachfrage nach Wellness-Kurzreisen in Hotels (Zuwachspotential)

Es ist richtig, daß der Wellnesstourismus ein Potential bedeutet. Gerade daher wurde auf Sylt in den vergangenen Jahren in diesem Bereich intensiv investiert. Alle auf Sylt befindlichen „Wellness-Hotels" sind jedoch nicht voll ausgelastet, man kann von durchschnittlich vielleicht 55 % Belegung ausgehen. Da Wellness-Hotels für einen ganzjährigen Besuch ausgerichtet sind, halten diese Hotels noch 45 % ungenutzte Kapazitäten bereit. Bevor also an zusätzlichen Bedarf gedacht wird, sollten erst einmal Überlegungen angestellt werden, wie man diese ungenutzten Kapazitäten – z.B. durch Marketingmaßnahmen wie in M.-V. ! - füllt.
Alle neueren größeren Appartementanlagen wurden auf Sylt mit Schwimmbädern und Wellnessanlagen ausgestattet ( u.a. 5-Sterne-Anlage „Zur Alten Gärtnerei", Anlage „Olympia", Westerland, und viele andere mehr). Kaum ein Appartementhaus wurde in den letzten 10 Jahren mit nicht wenigstens einer Finnischen Sauna errichtet. Unbestritten stehen diese Anlagen voll im Wettbewerb um die längerfristigen Übernachtungsgäste und können sich preislich aufgrund des geringeren Service-Aufwandes ganz anders positionieren als die Hotels. Überschläglich gerechnet kostet daher eine Übernachtung in einem solchen – hochwertigen – Appartement nur 50 % einer Übernachtung in einem entsprechenden Hotel.

Zur Kernaussage 5: Veränderung der touristischen Marktlage in den letzten Jahren (gemeint: seit 1998, Regionalplan V)

Die touristische Marktlage hat sich in den letzten Jahren seit 1998 auf Sylt nur dahingehend geändert, daß inzwischen - im Vertrauen auf die im Regionalplan V vorgesehenen Begrenzungen in der Bebauung von Großobjekten – die meisten Hotels in ihren Häusern enorm investierten und sich entsprechend verschuldeten. Sie haben voller Vertrauen in ihre Zukunft investiert. Diese wird jetzt durch übergeordnete Planungen in Frage gestellt. Die wettbewerblich annähernd gleichen Bedingungen sollen ausgehebelt werden. Bei Entstehen von „Großhotelanlagen" bestimmen Investoren und betreibende Hotelkonzerne den Übernachtungspreis mit z.T. Dumpingpreisen in der Nebensaison.

Nur wenn es bei den im Regionalplan V vorgesehenen Begrenzungen bleibt, bestehen echte Chancen für eine annähernde Rentierlichkeit der eingegangenen Investitionen der bestehenden Sylter Hotellerie und für eine Stabilisierung der dort vorhandenen Arbeitsplätze.


Forderungen:

Besseres und verstärktes Marketing für die Dachmarke Sylt


Schaffung besserer Auslastung der bestehenden Kapazitäten (z.Zt. besteht eine fehlende Auslastung bestehender Kapazitäten von mindestens 10 Mio. Übernachtungen p.a. ) durch mehr und besseres Marketing, z.B. auch Umsetzung der Forderung nach professioneller Vermarktung der Dachmarke Sylt durch ein insular akzeptiertes Marketingkonzept „Eine Insel, eine Nummer" (LSE Tourismus, Verkehr, Wirtschaft, Arbeitsgruppe Marketing, 2003). Nicht das Abgeben von Marketingaufgaben an Reiseveranstalter ist hier eine Lösung, sondern die eigene Vermarktung von ganz Sylt als herausragender Marke im brutalen Reise-Verteilungs-Kampf ist angesagt. Die Sylter Marketing GmbH (SMG) wird mit nur ca. 600 T € im Jahr ausgestattet, von denen sie dann auch nur 200 T € für direkte Marketingmaßnahmen ausgeben kann. Wenn man den auf Sylt z.Zt. erzielten Gesamtumsatz von 600.000.000,00 € (600 Mio € !) dagegenhält, bedeutet das einen lächerlichen Werbeaufwand von somit nur 0,003 % für die „Dachmarke Sylt", der auch noch für die Bewerbung nicht mit der Beherbergungswirtschaft abgestimmter Aktionen wie „7 Tage wohnen, 5 Tage bezahlen", oder einer sogenannten „Sylt-Saison" mit „Sparzeiten" „7 für 6" herhalten muß. (Damit wollen die Kurverwaltungen auf Kosten der Vermieter - sie selbst wollen allerdings dabei auf die eigenen Kurkarteneinnahmen bei dieser Aktion nicht verzichten - das Sylter Marketing befördern!)

Aufgrund der Mittelbegrenzung ist es der SMG z.B. nicht einmal mehr möglich, generell auf Publikums-Reisemessen wie der REISEN Hamburg für Sylt vertreten zu sein, auf welcher sich z.B. M.-V. mit allen relevanten Fremdenverkehrsorten auf einem eine ganze Messehalle dominierenden Gemeinschaftsstand vorzüglich präsentierte.

Es wäre aber erforderlich, die gesamten – ursprünglich ohnehin für Werbeausgaben gedachten – von allen Sylter Wirtschaftenden erbrachten Sylter Fremdenverkehrs- bzw. Tourismusabgaben in den gemeinsamen Marketing-Topf zu werfen. So kämen schätzungsweise 3 bis 4 Mio € zusammen, die durch Gelder des Kreises NF und des Landes S.-H. noch zusätzlich verdoppelt werden sollten, statt subventionierte zusätzliche Bauten zuzulassen, welche das Problem nur verschärfen. Aufgrund leerer öffentlicher Kassen ist es anscheinend einfacher, Großobjekte zuzulassen und durch eine "einmalige Spritze" zu fördern, damit diese dann wohl durch ihre eigenen Marketinganstrengungen die Region künftighin „mitbewerben" sollen. Vergessen wird dabei, daß dann durch die ungleichen Wettbewerbsbedingungen die bestehende Hotellerie schrumpft und der erwünschte zusätzliche Marketingeffekt sich dadurch aufhebt, da nun zwar große aber dafür weniger Hotel-Betriebe für Sylt werben können.

Begrenzung der Bebauung Sylts
oder Herstellung des Konsenses mit der Bevölkerung


Begrenzung der Bebauung zum Erhalt der Erholungslandschaft (siehe Inselgutachten 1974), aber: behutsame Ausbaumöglichkeiten bestehender Beherbergungsbetriebe zur Rentabiltätsverbesserung sind gefordert: Rückkehr zu den Forderungen des Regionalplans V.

Selbst die Landesregierung S.-H. forderte bereits in der 1991 von ihr erstellten Fremdenverkehrskonzeption, Seite 20: „ Die Zukunkunftschancen für den Fremdenverkehr in Schleswig-Holstein hängen davon ab, in welchem Umfang es der Fremdenverkehrswirtschaft, den Verbänden und Vereinen sowie den Fremdenverkehrsgemeinden und dem Land gelingt, eine intakte Natur zu erhalten, Umweltbeeinträchtigungen zu beheben und das touristische Angebot so zu gestalten, daß Schleswig-Holstein seinen Marktanteil am nationalen und internationalen Tourismus steigern kann. Dafür ist ein breiter Konsens mit den Menschen und der Wirtschaft in den Fremdenverkehrsgebieten erforderlich; die Entwicklung des Tourismus darf nicht dazu führen, daß die einheimische Bevölkerung ihren Lebensraum verfremdet sieht."
Auf Seite 44 heißt es dort: „ Maßnahmen der Verkehrsberuhigung und Reduzierung des Verkehrs, insbesondere auf den Nordseeinseln...." Ende der Zitate.

Wie passen denn die geforderte Reduzierung des Verkehrs mit 50 % geplanter Steigerung der Hotelbetten überein?

Eine Überprüfung der Verträglichkeit der Einfügung solcher Objekte in die vorhandene Gesamtstruktur soll per „Verfügung" unterbleiben, als Entscheidungsgrundlage soll dieses völlig desaströse Konzeptpapier herhalten, ausdrücklich soll auf die Erstellung eines umfassenden Tourismusgutachtens verzichtet werden !!

Somit ist ein früher gewollter Konsens mit der Bevölkerung Sylts bezüglich solch einschneidender Maßnahmen anscheinend gar nicht mehr vorgesehen. Damit ist es nicht verwunderlich, daß die plötzlichen Entscheidungen über die Änderung der Größenordnungen der Projekte aus Protest in der Beherbergungswirtschaft und in der Bevölkerung zum Entstehen der „Initiative für Sylt", die nun ihrerseits bezüglich anstehender weiterer Bettenbauten eine Verträglichkeitsstudie für die gesamte Insel fordert, geführt haben.

Verbesserung der Erreichbarkeit

Verbesserung der Verkehrsanbindungen (Auto, Bahn, Flugzeug, Schiff).
Bereits die Fremdenverkehrskonzeption der Landesregierung S.-H. von 1991 weist darauf hin, daß S.-H. s Hauptnachfragegebiete unzureichende Verkehrsanbindungen an die Ballungszentren der BRD aufweisen.

Statistische Zahlen über Sylts Fremdenverkehr

Verbesserung bzw. Schaffung verläßlicher statistischer Erhebungen auf Sylt als unabdingbare Voraussetzung für zukünftige Planungen und Marketingmaßnahmen.

Schaffung einer Hotelfachschule/Touristik-Fachhochschule auf Sylt


Kompensation der wegfallenden Arbeitsplätze (z.B. Bundeswehr) durch Schaffung einer Hotelfachschule und / oder Touristik-Fachhochschule auf Sylt in einem einzigartigen gastronomischen und touristischen Umfeld, gegebenenfalls auf den bereits bebauten „Konversionsflächen" der Bundeswehr.

Verbesserung witterungsunabhängiger Ganzjahres-Angebote

Reiseanalyse FUR : Bedürfnis nach Ruhe und Faulenzen steigt von 22 % (1995) auf 33 % (2001), Italien als Reisewunsch der Deutschen von 17 % (1995) auf 28 % (2001)!
Das heißt, daß das Klima bzw. Wetter eine immer stärker werdende Rolle bei den Urlaubsströmen spielt und es daher besonders wichtig ist, die gesamte bestehende Beherbergungsstruktur Sylts mit witterungsunabhängigen Verbesserungs-Aus- und Anbauten (z.B. Aufenthaltsräumen, Spielzimmern pp.) aber auch im öffentlcihen Bereich durch z.B. mehr kulturelle Angebote gegen diesen Trend noch mehr zu wappnen und ein entsprechendes Marketing darauf auszurichten. So ist z.B. der Wiederspielbetrieb des bisher über 30 Jahre auf Sylt gastierenden S.-H. Landestheaters (der Spielbetrieb wurde dieses Jahr eingestellt) gegebenenfalls durch Bau oder Umbau eines entsprechenden Theatergebäudes (z.B. das Kino auf dem Flugplatz) zu gewährleisten.

Westerland, 12.6.2005/HF



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